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Schloss Rauschendorf

Vorschaubild

Die Geschichte von Schloss Rauschendorf:

Um 1540 ist in Rauschendorf ein Lehnschulzenhof belegt, der im Besitz der Familie Goldstein war. Diesen Hof erwarb 1552 die Familie von der Groeben. 1581 erhielt die Familie weitere Ländereien in Rauschendorf und Umgebung im Tauschwege. In der Folge wurde Rauschendorf 1687 Rittersitz. Zu diesem Zeitpunkt waren das Dorf und die Höfe weitgehend durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges zerstört, erst um 1700 war es zusammen mit den Mühlen wiederaufgebaut.

 

1723 heiratete Graf Herrmann von Wartensleben, Bruder des Generals Alexander von Wartensleben, Dorothea von der Groeben und kam dadurch in den Besitz der Rittergüter Schönermark, Baumgarten, Meseberg und Rauschendorf. Etwa in diese Zeit fällt der Bau des Schlosses Rauschendorf. Es handelte sich dabei um einen einstöckigen, elfachsigen Putzbau mit Mezzanin-geschoß und schlichter Fassadengestaltung.

 

Um 1737 begann Graf Wartensleben mit dem Bau des Schlosses in Meseberg, in dessen Schatten das Schloss in Rauschendorf fortan stehen sollte. Das Schloß in Rauschendorf mit dem dazugehörenden Gut verkauften die Töchter des Hermann von Wartensleben. 1774 an den Prinzen Heinrich in Rheinsberg, der es mit zusammen mit einem Güterkomplex seinem Günstling Major von Kaphengst zum Geschenk machte. Infolge einer immer größer werdenden Schuldenlast musste von Kaphengst zwei Jahre vor seinem Tod 1798 das Rauschendorfer Gut an den Grafen Blumenthal verkaufen.

 

Nur fünf Jahre später wechselten Gut und Schloss Rauschendorf erneut den Besitzer, von Blumenthal verkaufte es an J.F.C. von Rieck. Rieck, der später zum Baron erhoben wurde, lebte bis ca. 1850 im Schloß und benutzte es als Ruhesitz. 1832 ließ von Rieck das Inspektorenhaus errichten. Um 1850 verkaufte von Rieck Gut und Schloß an den Brauereibesitzer C.F. Kluge, der es wohl nur wenige Jahre später an einen Herrn Bolle, ebenfalls Eigentümer einer Brauerei, weiterveräußerte.

 

Dieser ließ das einstöckige Haus ca. 1870 von La Pierrre durch einen weitgehenden Ausbau des Daches aufstocken, Fassade und Dachgiebel erhielten dekorative Schmuckelemente im Neorenaissance-Stil und auf der Gartenseite entstand über der Terasse ein großer Wintergarten zur Unterbringung von exotischen Pflanzen. 1909 erwarb Ernst von Beyme Gut und Schloss.

 

Nach einem Großbrand im Schloß am 30. Januar 1922 wurde auf den Grundmauern des alten Schlosses der heute noch existierende Bau nach Planung des Architekten Paulus aus Berlin errichtet.

 

Der Neubau des Schlosses orientierte sich streng an den landestypischen, barocken Herrenhausbauten: Es fanden keine modische Strömungen wie der ausgehende Jugendstil Eingang in die Gestaltung, Bezüge zur zeitgenössischen Villenarchitektur des Bürgertums wurden ebenso vermieden. Eine Besonderheit des Neubaus stellen die mit Kreuzgewölben versehenen Flure dar. Die Gestaltung der Innenräume war ausgeprochen zurückhaltend: Im Erdgeschoß wurden unterschiedliche Eichenparkette verlegt, die Putzrahmungen der Decken sind ebenfalls unterschiedlich und schlicht.

 

In Anlehnung an den Vorgängerbau wurde auf der Eingangsseite die elfachsige Fassadengliederung beibehalten. Einem schmalen, dreiachsigen Mittelrisalit wurde ein auf zwei Doppelsäulen ruhender Altan vorgesetzt. Den Abschluß des Mittelrisaliten bildet im Dachgeschoß ein, der Formensprache der Renaissance entlehnter, Glockengiebel. Die nüchterne Gestaltung der Eingangsfassade besteht aus einem Horizontalgesims und zwei gebänderten Putzpilastern bzw. Lisenen.

 

Auf der Gartenseite findet sich eine neunachsige Gliederung mit breitem Mittelrisalit, bei dem durch die Gestaltung mit Rundbogenfenstern ein klassizistisches Architekturmotiv verwendet wurde und der durch seine Gestaltung an die Gartenseite des Meseberger Schlosses erinnert. Der schlichte Schmuck der Eingangsseite findet hier mit vier gebänderten Putzpilastern und dem Horizontalgesims zwischen Erd- und Obergeschoß seine Fortsetzung.

 

Angeblich hatte während des Nationalsozialismus Herrmann Göring kurzzeitig ein Auge auf das Schloss wegen der damit verbundenen, reichen Jagden geworfen. Nach den schweren Bombenangriffen auf Berlin wurde die Schweizer Botschaft im Rauschendorfer Schloss einquartiert. Die Witwe Ernst von Beymes, Tilly von Beyme, wurde nach Kriegsende im September 1945 enteignet.

 

Aufgrund der vielen Flüchtlinge, die im Schloß Unterkunft gefunden hatten, wurde es entgegen des Befehls der sowjetischen Besatzungsmacht nicht abgerissen. Während der DDR war das Haus Gemeindezentrum mit Kindertagesstätte, Poststelle, dem Friseur, kirchlich genutzen Räumen und einer Dorfkneipe sowie Wohnungen.

 

Der Gutshof:
Auf einem Urmesstischblatt von 1825 läßt sich bereits deutlich der gegenüber des Schlosses im Carre angelegte Gutshof erkennen. Neben dem Hof gehörten alle weiteren Gebäude im Dorf zum Gutsbetrieb: Eine Stellmacherei, eine Schmiede, eine Gärtnerei, der Adlerkeller, Scheunen, eine Schnitterkaserne, eine Mühle, die Brennerei sowie Wohnhäuser für die Gutsarbeiter und das Inspektorenhaus. Der landwirtschaftliche Betrieb umfasste bis 1945 ca. 700 Hektar Acker-, Wald und Weideland. Einige der ehemals zum Gutsbetrieb gehörenden Gebäude sind bis heute in veränderter Form erhalten.

 

Der Park:
Nachdem im 18. Jahrhundert wahrscheinlich ein barocker Park um das Herrenhaus angelegt war, erfuhr dieser durch den Bau der Brennerei wohl die erste Veränderung. In späterer Zeit war der Park als Landschaftspark nach englischem Muster gestaltet und umfasste das Schloss nicht mehr von drei Seiten, sondern erstreckte sich hinter dem Haus und zu dessen rechter Seite. Von der ursprünglichen Anlage sind nur noch einzelne Bäume teils hohen Alters und die Reste des Brunnens "Leda mit dem Schwan" erhalten, die keine Rückschlüsse auf die Gesamtgestaltung mehr zulassen. Die ursprüngliche Zufahrt zum Schloss führte mittig auf ein vor der Eingangsseite angelegtes Rondell. Im 19. Jahrhundert wurde die Einfahrt verlegt und führte nun von der rechten Seite in einem Bogen vor den Eingang.

 

 

Heute wird Schloss Rauschendorf privat genutzt und sieht seiner Sanierung entgegen.